Diakritika, Sonderzeichen und Ligaturen
Diakritika
Für diakritische Zeichen verwenden wir die Unicode-Sonderzeichen, die SSRQ-Schrift Lexia Fontes sowie eine Tastaturbelegung, die das einfache Tippen der kombinierten Zeichen erleichtert.
Diakritische Zeichen und übergeschriebene Buchstaben (z. B. aͤ, uͦ etc.) der deutschen Texte werden buchstabengetreu wiedergegeben.
Distinktionszeichen über «u», die in deutschen Texten einer Verwechslung mit «n» vorbeugen sollen, werden nicht wiedergegeben.
Die diakritischen Zeichen des Französischen und Italienischen werden gemäss dem modernen Gebrauch verwendet, sofern keine Ausnahmen vorliegen.
Akzente in französischen Texten
Bei der Akzentsetzung sollte in einem Textkorpus ein kohärentes System angewendet werden, das sich so weit wie möglich an den graphischen und typographischen Gepflogenheiten der jeweiligen Zeit orientiert.
Bei mittelalterlichen französischen Handschriften sollten keine Akzente hinzugefügt werden, ausser wenn dadurch homophone Verwechslungen aufgrund des atonalen «e» und des tonischen «e» vermieden werden können. So erhalten Endsilben auf «-e» oder «-es» einen Akzent.
Beispiele:
afrz. «aprés» meint frz. «après» (nach)
afrz. «apres» steht für frz. «âpres» (bitter)
afrz. «leve» meint frz. «lève»,
während afrz. «levé» das Partizip des Verbs afrz. «lever» (hochheben) ist
Der Artikel afrz. «des» wird immer unverändert transkribiert, also «des» und nicht «dés».
Für französische Texte des 16. Jhs. (bis ca. 1580) gelten die Standards, die für die Edition mittelalterlicher französischer Texte festgelegt wurden. Es wird nur der Akzent auf dem Buchstaben «e» verwendet, um zwischen tonischem und atonischem «e» zu unterscheiden.
Beispiele:
mfrz. «né», «tombé», «vous avés», «aprés», «procés»
Endungen auf «-ee» werden nicht betont.
Beispiele:
mfrz. «nee», «armee»
Bei der Bearbeitung von französischen Handschriften aus dem 17. Jh. (bis ca. 1715) können Akzente in grösserem Umfang verwendet werden. Insbesondere werden die Endungen auf «-ée» betont.
Beispiele:
frz. «née», «armée»
Der Akzent auf den Buchstaben «a», «e» und «u» in einsilbigen Präpositionen und Adverbien wird verwendet, um sie von homographen Wörtern zu unterscheiden.
Beispiele:
frz. «à», «là», «dès», «lès», «où»
Dagegen wird der Buchstabe «e» innerhalb eines Wortes nicht betont.
Beispiele:
frz. «maniere», «pere», «present»
Auf französische Handschriften des 18. Jahrhunderts wird der heutige Sprachgebrauch angewendet.
Trema in französischen Texten
Grundsätzlich sollte das Trema entfernt werden, wenn es in Wörtern vorkommt, die heute ohne Trema geschrieben werden.
Beispiele:
frz. «queüe», «veü»
Dasselbe gilt für «ÿ» (vgl. Normalisierung).
Ausnahme: Bei mittelalterlichen literarischen Texten kann das Trema jedoch eine phonetische Funktion haben, in diesem Fall wird es beibehalten.
Sonderzeichen
Apostroph in französischen Texten
Um die Bedeutung eines Textes zu verdeutlichen und ihn verständlicher zu machen, ist das Hinzufügen von Apostrophen unerlässlich. Beispielsweise muss die Schreibweise «se» für «c'est» mit «s'e» wiedergegeben werden. Da das Pronomen der dritten Person Singular und Plural oft auf «i» reduziert wird, muss ihm ein Apostroph vorangestellt werden, wenn es mit einem Relativpronomen oder einer Konjunktion verbunden ist, damit «qui» nicht mit «qu'il» verwechselt wird.
Beispiel:
«Item ledit detenu a dit et confesé que illiaz quattre ans qu'i
deroba une boiste avec l'estuy.»
Das oben genannte Beispiel zeigt auch, dass ein Apostroph hinzugefügt werden sollte, um den bestimmten Artikel, der mit einem Substantiv verbunden sein könnte, zu trennen.
Beispiel:
«l'estuy» und nicht «lestuy»
Wenn die Kombination «quil» als relative Präposition fungiert, sollte sie so transkribiert werden.
Beispiel:
«Item for celuy quil allat querir le maistre d'ovre»
Cedille (ç) in französischen Texten
Dem «c», das einen phonetischen Wert als «s» hat, soll eine Cedille hinzugefügt werden.
Beispiele:
«François» und nicht «Francois»
«il sçait« und nicht «il scait»
e caudata (ę) in lateinischen Texten
e caudata («ę») wird vom gewöhnlichen «e» unterschieden.
Die Gelehrten des 17. und 18. Jahrhunderts neigten aufgrund von Hyperkorrekturen dazu, die Diphthongierung zu bevorzugen.
Wenn ein mittelalterliches Original erhalten ist, sollte die Schreibweise des Ausgangstextes beibehalten werden, d. h. das «ę», das in späteren Kopien wahrscheinlich als «æ» geschrieben wurde, sollte wiedergegeben werden. Wenn nur die spätere Abschrift existiert, sollte man sich an die Schreibweise dieser Abschrift halten und den Diphthong getreu wiedergeben.
Ligaturen
In Drucken werden Ligaturen in Einzelbuchstaben aufgelöst.
Auch in handschriftlichen Texten wird auf die Verwendung von Ligaturen in der Regel verzichtet.
Ausnahmen: Ligaturen können für die Grapheme ae (æ) und oe (œ) verwendet werden, wenn die Diphthonge zu einem langen Vokal monophthongiert wurden. Zum Beispiel kann anstelle von e caudata (ę) in einer späteren Kopie durch Hyperkorrektur die Schreibweise «ae» entstehen, die in diesem Fall mit «æ» transkribiert werden kann (vgl. oben).
Der Bearbeitende muss sich darüber im Klaren sein, dass ein mit «æ» transkribiertes «ae» in der digitalen Textverarbeitung nicht denselben Wert hat und nicht als identisches Graphem erkannt wird.
Dasselbe gilt für die Ligatur «fl»: Eine Volltextsuche nach dem Wort «f-l-o-r-i-n» führt zu keinem Ergebnis, wenn es die Ligatur «fl» enthält, die als ein Zeichen betrachtet wird: «fl-o-r-i-n».